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Zwei Hawker Sea Furys im Doppelpack

Vom Kaffeekränzchen-Traum zum Erstflug: Zwei Sea Furys mit Valach-Fünfzylinder-Sternmotor, einem verlegten Motordom, einer Lackierung im Schema der pakistanischen Luftwaffe und einem Erstflug mit weichen Knien.

Vom Traum zum Erstflug – ein Projekt mit Sternmotor

Die beiden Sea Furys im Abendlicht
Die beiden fertigen Sea Furys im Look der pakistanischen Luftwaffe

Steckbrief

Modell Hawker Sea Fury, Bausatz von Airworld
Spannweite 260 cm
Antrieb Valach VM R5 250 (5-Zylinder-Sternmotor, 250 ccm)
Luftschraube 4-Blatt-Verstellpropeller von Ramoser
Fahrwerk Elektrisch, Electron (3S-Variante)
Servos Fast ausschließlich Chaservos
Beleuchtung UniLight
Gewicht MTOM 24,304 kg
Rollout 12. Mai 2025
Erstflug 10. Juni 2025

Die Idee: Ein Sternmotor muss her!

Es war im November 2023 bei einem gemütlichen Kaffeekränzchen in Monikas Kuchenladen. Wir saßen mit ein paar Vereinskollegen zusammen und philosophierten über das nächste große Ding. Mein langgehegter Traum: ein Modell mit einem echten Sternmotor. Als die Sprache auf die legendäre Hawker Sea Fury kam, sprang der Funke sofort über. Bernd war auf Anhieb genauso begeistert wie ich. Die Sea Fury hat uns schon immer fasziniert, und sie bietet die perfekte Zelle für ein druckvolles Sternmotor-Vorhaben. Nach kurzer Recherche war klar: Der Bausatz von Airworld ist ideal für unser Vorhaben. Und das Beste? Wir bauten direkt im Doppelpack!

Der Roadtrip: Abholung bei Airworld

Am 28. Mai 2024 hieß es für Bernd und mich: Der frühe Vogel fängt die Sea Fury! Um 5:00 Uhr morgens machten wir uns mit riesiger Vorfreude auf den Weg Richtung Airworld. Vor Ort wurden wir herzlich empfangen. Nach einem sehr netten Fachgespräch und einem Kaffee vom Firmenchef durften wir noch die eindrucksvollen Modelle im Ausstellungsraum bestaunen. Danach ging es ans Packen: Die zwei kompletten Bausätze haben ganz entspannt Platz im Audi A6 gefunden – auch wenn das Auto damit natürlich gut voll war. Auf der Heimfahrt hatten wir mit unserer wertvollen Fracht nur einen kleinen Stau, sodass wir gegen 14:00 Uhr schon wieder glücklich daheim ankamen.

Bausätze im Auto
Bausätze im vollgestopften A6

Die Antriebsfrage: Valach statt Moki

Nachdem wir im Vorfeld schon öfter von Problemen der Kollegen mit den Moki-Motoren mitbekommen hatten, stand unsere Entscheidung schnell fest: In die Sea Fury kommt ein Valach VM R5 250. Ein absoluter Traum von einem Motor, der nicht nur mächtig klingt, sondern auch als extrem zuverlässig gilt.

Als Luftschraube kam ein 4-Blatt-Verstellpropeller von Ramoser zum Einsatz. Ein besonderes Augenmerk galt dem Bau des Spinners: Um Unwuchten und einen unrunden Lauf von vornherein zu vermeiden, war diese Arbeit extrem anspruchsvoll, hat sich aber für den sicheren Betrieb des Triebwerks mehr als gelohnt.

Valach-Sternmotor mit Propeller und Spinner
Der Valach VM R5 250 mit 4-Blatt-Verstellpropeller von Ramoser
Spinner im Rohbau
Der Spinner im Rohbau: Rundlauf war oberstes Gebot

Ab in die Werkstatt: Getrennte Räume, kurzer Draht per WhatsApp

Gebaut hat jeder von uns in seiner eigenen Werkstatt, aber das Smartphone war unser wichtigstes Werkzeug. Der ständige Erfahrungsaustausch lief komplett über WhatsApp – so konnte man direkt Bilder mitschicken, wenn man mal nicht weiterwusste. Besonders die wertvollen Tipps von Bernd, unserem Profimodellbauer im Verein, haben mich immer wieder ein großes Stück vorangebracht.

So unkompliziert der Rumpf auch wirkte, der Teufel steckte im Detail:

Kühlluftführung

Ein echter Knackpunkt bei jedem verkleideten Sternmotor ist die Temperatur. Da der Spinner bei der Sea Fury sehr groß ist, wird ohnehin nur relativ wenig Luft durch die Motorhaube geführt. Umso wichtiger war es, die vorhandene Luft präzise direkt an den Zylindern vorbeizuführen. Die Installation dieser maßgeschneiderten Kühlluftführung hat viel Zeit gekostet und war absolute Maßarbeit. Die Mühe hat sich als extrem wirkungsvoll erwiesen: Die integrierte Temperaturüberwachung aller fünf Zylinder zeigt im Betrieb durchgehend relativ geringe, völlig gesunde Messwerte.

Kühlluftführung an den Zylindern
Maßgeschneiderte Kühlluftführung direkt an den Zylindern

Die Auspuffauslässe

Auch die Auspuffauslässe sind Marke Eigenbau: Ich habe sie aus Edelstahlrohren selbst gebaut und hartgelötet.

Selbstgebaute Auspuffauslässe
Selbst gebaute, hartgelötete Auspuffauslässe aus Edelstahl

Flächen, Ruder und Servos

Die Querruder und Landeklappen bedeuteten richtig viel Arbeit. Hier war herstellerseitig leider sehr wenig vorbereitet, sodass extrem viel Zeit ins Einpassen floss. Auch die Befestigung der Servos in den Flächen haben wir im gleichen Zuge optimiert. Bei den Komponenten setzten wir keine Kompromisse ein: Es wurden fast ausschließlich hochwertige Chaservos verbaut. Die Höhenruderservos wanderten wie vom Bausatz vorgegeben direkt hinten ins Leitwerk.

Servoeinbau in der Fläche
Querruder und Landeklappen eingepasst
Querruder und Landeklappen eingepasst
Servoeinbau in der Fläche

Heck und Seitenruder

Auch am Heck gab es einiges zu tun. Der Spant für das Seitenruder musste erst komplett zusammengesteckt und eingeklebt werden. Zudem waren die Spalte der Ausgleichsflossen ab Werk etwas groß geraten – das haben wir im selben Zuge optimiert und sauber angepasst.

Seitenruderspant wird eingeklebt
Der Spant für das Seitenruder wird eingeklebt
Seitenruderspant nach dem Einkleben
Der Abstand der Flosse ist nicht optimal

Die Beleuchtung

Um das Modell optisch abzurunden, haben wir eine UniLight-Beleuchtung installiert. Das war noch einmal richtig viel Arbeit: Die Ausschnitte in den Tragflächen mussten wir selbst erstellen, und auch die Klarsichtabdeckungen dafür haben wir komplett selbst angefertigt. Der Aufwand hat sich aber gelohnt!

Beleuchtung in der Tragfläche
UniLight-Beleuchtung in der Fläche

Das Fahrwerk

Beim Hauptfahrwerk fiel die Wahl auf ein elektrisches Electron-Fahrwerk in der robusten 3S-Variante. Der Einbau lief absolut unkompliziert. Einzig der Motor des Hecksporns musste umgerüstet und die Software angepasst werden. Hier war der Support von Electron vorbildlich. Aus Fehlern lernt man: Da ich bei meiner Mustang schon mal schlechte Erfahrungen gemacht hatte, habe ich den Ausschnitt des Hecksporns vorsorglich mit CFK verstärkt.

Klappenanlenkung

Das präzise Montieren der Hauptfahrwerksklappen sowie die Anlenkung der Spornklappen war eine echte Geduldsprobe, hat am Ende aber gut funktioniert.

Spornklappen ausgeschnitten und angepasst
Die Klappen für das Spornrad werden ausgechnitten und eingepasst
Klappen am Hauptfahrwerk
Klappen am Hauptfahrwerk

Innenausbau und Tankanlage

Die originalen Holzspanten für die RC-Anlagen passten glücklicherweise hervorragend und wurden direkt so verwendet. Beim Kraftstoffsystem haben wir auf die bewährte Methode mit einer PET-Flasche als Tank gesetzt. Die maßgeschneiderte Tankhalterung dafür wurde aus CFK passgenau an die Flasche angeformt. Nachdem der erste Tankverschluss leider undicht war, haben wir auf ein zuverlässiges System von Thiel Modelltechnik umgerüstet – danach war alles dauerhaft dicht.

Innenausbau mit Tank und RC-Anlage
Spanten für den Innenausbau eingepasst
Innenausbau
Innenausbau mit PET-Flaschentank und CFK-Halterung

Die größte Nuss: Der Schwerpunkt und die 25-kg-Grenze

Da der Airworld-Bausatz herstellerseitig komplett auf den Moki-Motor vorbereitet ist, fingen beim Valach die Anpassungen an. Der Motordom musste für die Anlenkungen von Gas und Choke komplett modifiziert werden.

Nach dem ersten Auswiegen kam dann der Schreck: Der angegebene Schwerpunkt war kaum einzuhalten! Um nicht kiloweise totes Blei in die Nase packen zu müssen – was das Modell unweigerlich über die kritische 25-kg-Zulassungsgrenze katapultiert hätte – gingen wir in eine längere Denkphase.

Die Rettung: Wir konnten den kompletten Motordom kurzerhand um einen guten Zentimeter nach vorne verlegen. Der Platz unter der Haube war da, und optisch fällt es überhaupt nicht auf. Das Ergebnis war phänomenal: Ich konnte die Sea Fury ohne zusätzliches Blei knapp hinter dem angegebenen Schwerpunkt einwiegen und habe die 25 kg locker eingehalten! Gewicht trocken 23,403 kg

Verlegter Motordom
Auswiegen mit vorverlegtem Motordom

Das Finish: Einzigartiger Look statt Standard-Blau

Als der Rohbau stand, rauchten wieder die Köpfe bezüglich der Optik. Bei einem erneuten Treffen – natürlich wieder in Monikas Kuchenladen bei mir ums Eck – brachte Bernd diverse Vorschläge und Bilder für das Lackierschema mit. Für uns war schnell klar: Wir wollten bewusst nicht das allgegenwärtige Blau oder die typische Standard-Lackierung der Sea Fury.

Unsere Wahl fiel auf das markante Schema der pakistanischen Luftwaffe. Bernd, der sich bei diesem Projekt als absoluter Lackier-Profi herausstellte, hat die Umsetzung direkt in die Hand genommen und unseren beiden Sea Furys das neue Kleid verpasst. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht einfach nur super! Natürlich ist Optik immer Geschmackssache, aber eines steht fest: In dieser Lackierung sind unsere beiden Furys auf jedem Flugplatz ein absoluter Hingucker und echte Unikate.

Lackierung im Schema der pakistanischen Luftwaffe
Fertig lackiert im Schema der pakistanischen Luftwaffe

Das Rollout: Lampenfieber, Sternmotor-Sound und Abendsonne

Bevor es in die Luft ging, stand der große Rollout-Abend auf dem Plan. Am 12. Mai 2025 rückten die beiden Sea Furys bei herrlichem Wetter und perfekter Abenddämmerung zum ersten Mal auf unserem Flugplatz beim MFC Penzberg ein. Die Kulisse war grandios, und wir nutzten das Licht für ein ausgiebiges Fotoshooting.

Unsere Ehefrauen Sabine und Angie waren natürlich mit dabei – bestens bewaffnet mit Kamera und Aperol Spritz, um diesen besonderen Moment festzuhalten. Als die Motoren gestartet wurden, war die Stimmung fantastisch: Bernds Maschine lief sofort klaglos an. Bei meiner Fury gab es eine kurze Schrecksekunde, bis mir auffiel: Ich hatte glatt vergessen, die Benzinpumpe einzuschalten! Kaum war der Schalter umgelegt, erwachte auch mein Valach zum Leben. Der synchrone Sound der beiden Fünfzylinder-Sternmotoren war einfach gigantisch und hat so richtig Laune gemacht. Ich war in diesem Moment kurz davor, einfach direkt Gas zu geben und abzuheben!

Ansonsten hat an diesem Abend alles perfekt geklappt. Vor lauter Begeisterung und Fachsimpelei haben wir allerdings komplett die Zeit vergessen. Bei uns am Platz ist ab 20:00 Uhr Motorlaufverbot – das haben wir knapp überschritten, und prompt hat es eine Reklamation gehagelt. Für das stimmige Teambild hatte Bernd sogar extra passende Pakistan-T-Shirts drucken lassen – die ich vor lauter Aufregung allerdings prompt daheim vergessen hatte. Trotz des kleinen Zeitübertritts war es ein rundum toller und unvergesslicher Abend.

Rollout-Abend am Flugplatz
Rollout im Abendlicht

Das große Finale: Der Erstflug

Nachdem wir sehr lange auf den perfekten Tag warten mussten, war es am Dienstag, den 10. Juni 2025, früh morgens endlich so weit. Die Bedingungen waren ein Traum: strahlende Sonne, ein leichter Gegenwind, und wir waren völlig alleine am Platz. Trotzdem hatte ich jede Menge Respekt im Bauch und, um ehrlich zu sein, auch ein bisschen wackelige Knie.

Das Rollen zum Start funktionierte perfekt – das kannten wir ja schon vom Rollout. Dann kam der große Moment. Auf Anraten eines Kollegen, der bereits Erfahrung mit der Airworld-Fury hatte, starteten wir komplett ohne Klappen. Ich schob das Gas langsam rein und stellte mich auf das typische Ausbrechen nach links ein. Doch das hielt sich absolut in Grenzen, ließ sich leicht aussteuern, und schwupps – war die Kiste auch schon in der Luft!

Die Sea Fury flog auf Anhieb perfekt und mit ordentlich Power aus dem Valach-Fünfzylinder. In diesem Moment wich die Anspannung, und die wackeligen Knie beruhigten sich schnell. Der Schwerpunkt, den wir ein Stück weiter hinten als vom Hersteller angegeben eingeflogen haben, erwies sich in der Luft als perfekt.

Nach ein paar begeisterten und traumhaften Runden kam unvermeidlich die Vorbereitung auf die Landung – und prompt wurden die Knie wieder weich. Klappen voll raus, Fahrwerk ausfahren und ein Kontroll-Vorbeiflug: alles passte. Also ab in die Anflugroutine. Der Anflug selbst war astrein, die Landebahn genau im Visier. Doch dann passierte es: Mangels Erfahrung mit dem trägeren Sternmotor nahm ich das Gas im Endanflug einen Tick zu früh ganz raus. Ohne das nötige Schleppgas verlor die Maschine schlagartig an Auftrieb und plumpste etwas hart aufs Fahrwerk.

Außer diesem kleinen Malheur und einem dicken Lerneffekt war es aber ein gelungener Erstflug! Bei Bernd lief es übrigens genauso gut: Als echter Profi hat er seine Landung butterweich und perfekt hingezogen – das habe ich mir für mein nächstes Mal direkt ganz genau abgeschaut. Zwei wunderschöne Modelle fliegen in Penzberg!

Sea Fury beim Erstflug
Erstflug am 10. Juni 2025